Juden in Kempenich

Von Jochen Seifert

1

Die ersten belegbaren Aussagen zu Juden in Kempenich gab es ab 1751. Damals standen sie unter dem Schutz des Grafen von Eltz als sogenannte „hochgräfliche Schutzjuden“. In welcher Beziehung diese jüdischen Bürger zu den nach 1800 namentlich bekannten Familien stehen, ist noch nicht bekannt.

2

1777 werden im Zusammenhang mit den „Schutzjuden“ erwähnt: die Juden Hirtz, dessen Schwiegersohn Leib sowie die Juden Wolff, Salomon und Daniel. 1778 sowie 1781 kamen noch die Juden Mayer, Simon und Salomon Löb dazu. 1808 lebten in Kempenich 12 Juden. 1817 gab es 16 Juden. In diesem Zeitraum gab es im ganzen Kreis Adenau nur diese 16 Juden. 1830 dann 21, 1858 fünf, 1895 acht und 1925 vier Juden.

3

Um 1800 gab es eine jüdische Familie Wolf in Kempenich. 1807 ist Oster Wolf in Kempenich gestorben, seine Witwe Dina lebte hier noch um 1810. Nachkommen in Kempenich sind nicht bekannt.

4

Der bekannteste Jude in Kempenich war sicherlich Salomon Kempenich, 1824 in Spessart geboren. Er war verheiratet mit Rosetta Lampert aus Glees und von Beruf Metzger. 1847 hatte er seine Metzgerei im späteren Haus von Otto Schmitt in der Großstraße, 1860 bis mindestens 1894 dann in der Großstraße (heute VOBA), dort hatte später Alex Groß eine Metzgerei. Sein Hobby war die Musik. Er war öfters mit dem „Postbältes“ Balthasar Schmitz I (1820) unterwegs. Sein Sohn Joseph Kempenich (1864) war ebenfalls Metzger und führte die Metzgerei in der Großstraße bei Otto Schmitt bis 1934. Er war verheiratet mit Henrietta (auch Jetta/Yeta genannt) Baer und starb 1942 im Vernichtungslager in Treblinka (Polen). Ihre beiden Töchter Rosetta (1896) und Frieda (1898) wanderten 1938 mit ihren Familien nach Milwaukee aus.

5

1825 wohnte Salomon Rosenthal (1770), ein Handelsmann, verheiratet mit Sarah Kempenich (1770), am Markt im späteren „Schäwesch-Haus“. Seine Frau war vermutlich ein Vorfahre der Kempenich-Familie. Er hat, wahrscheinlich aus Altersgründen, 1847 seinen ganzen Besitz verkauft.

6

1825 bis ca. 1860 hatte Joseph Feit (Veith) (* 1794) die Metzgerei in der Großstraße, die dann Salomon Kempenich übernahm. Joseph Feit verläßt dann Kempenich in Richtung Siegburg zu seinen Angehörigen.

7

Leiser Lazarus, verheiratet mit Feigel (Fanny/Vogel) Winter (1821), wohnte 1856 in einem Haus im Oberdorf, auf dem heute unbebauten Grundstück vor dem früheren Amtsgebäude. 1825 wohnte dort der Vater von Feigel, Leib Winter, der vielleicht aus Oberzissen stammte. Die Tochter von Leiser und Feigel, Lia (1863), heiratete Adolf Eggener aus Glees (1877). Sie wohnten dann 1928 gegenüber vom Amt in der späteren Amtskasse. Er handelte mit Kurzwaren wie Knöpfen und auch mit Vögeln. Vielleicht wurde er deshalb „Vüjels Adi“ genannt. Der Name kommt aber wahrscheinlich von dem Vornamen seiner Schwiegermutter. Feigel-Vogel-Vögel war ein nicht seltener jüdischer Vorname. Vögel Winter ist sehr alt geworden (* 1821, + 1909), hat ihren Mann sicher um viele Jahre überlebt und stammte zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit auch aus Kempenich. Der Name solcher alten Leute ist oft zum Hausnamen geworden. Der Sohn von Adolf, Levi, 1907 in Kempenich geboren und verheiratet mit Elsa Bender aus Münstermaifeld, zog mit der Familie nach Appleton in Wisconsin. Adolf Eggener hat wohl am Schluss im Entenpfuhl im Haus von Sompe (heute Adams) gewohnt. Er starb 1941. Damit waren die letzten Juden weg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s