Brände in Kempenich

Von Jochen Seifert

1661

Das Dorf Kempenich fällt einem Großbrand zum Opfer. Aus einem Bericht von Pastor Beck: „Im Jahr 1661 geriet der Flecken Kempenich in einen so heftigen Brand, dass die Kirche, soweit das Dach sich erstreckte, das Pfarrhaus, die Schule und die übrigen Häuser bis auf drei gänzlich eingeäschert wurden.“ Für den Wiederaufbau wurden Befestigungsmauern und Tore niedergelegt.

1753

Ein Großbrand vernichtet das gesamte Dorf bis auf drei Häuser, die vermutlich etwas abseits der dichten Bebauung standen. Nach Überlieferungen handelte es sich dabei um den Heidnerhof, den Hof Goldbach und das Paste Haus (lag damals am Ortsrand).

1847

Ein Großbrand vernichtet den alten Ortskern. Am 20. März, abends zwischen 7 und 8 Uhr, brach in dem Stall des Ackerers Matthias Ebert, Ecke Oberdorf/Enggasse, ein Feuer aus, was innerhalb von einer Stunde 54 Wohnhäuser und ca. 50 Nebengebäude einäscherte. Fast alle Gebäude waren mit Stroh gedeckt. Sämtliche Frucht, zwei Kühe, mehrere Schafe und Schweine verbrannten mit. Das Pfarrhaus wurde nur mit großer Mühe gerettet. Der Gesamtschaden wurde auf 30.000 Taler geschätzt. 46 Wohnhäuser waren bei der Rheinischen Provinzial Feuersozietät und zwei bei der Aachener-Münchener Gesellschaft versichert. Sechs Wohnhäuser hatten keine Versicherung.

1854

Am 28. März gegen 2 Uhr morgens entstand ein Feuer in dem bei dem Brand von 1847 verschont gebliebenen Teil des Dorfes zwischen den Nebengebäuden der Wwe. Hubert Geulig und des Israeliten Josef Kempenich. In mehreren Stunden wurden 45 Wohnhäuser, 15 Ställe und 20 Scheunen teilweise vollständig eingeäschert, teilweise zum größten Teil beschädigt. Sämtliche Frucht und Futtervorräte wurden vernichtet. In den Flammen kamen eine Kuh, ein Kalb, einige Schafe und Schweine um. Leider war auch ein Menschenleben zu beklagen. Die Tochter von Josef Kempenich konnte sich nicht mehr früh genug retten. Ein Gebäude war nicht versichert, aber alle hatten ihr Mobilar und die Frucht nicht versichert. Ausgezahlt wurden von den Versicherungen insgesamt 9456 Taler.

1868

Die im Hinterdorf gelegene Scheune des Wirtes Joh. Math. Weckbecker geriet am 3. Juli in Brand. Die Nachbargebäude konnten gerettet werden. Scheune und Futtervorräte waren versichert. Der Geschädigte erhielt damals 193 Taler = 580 Mark.

1889

Am 20. November gegen 11 Uhr vormittags brach in der Scheune Ackerers Matthias Ebert II (Ecke Großstraße/Enggasse) Feuer aus. Durch das rasche Eingreifen der Bürger konnte das Feuer auf das Gehöft beschränkt werden.

1890

Am Sonntag, 12. Februar, abends gegen 6 Uhr entstand abermals ein großer Brand in der Scheune der Geschwister Schomisch (Enggasse). Trotz der raschen Hilfe verbreitete sich das feuer mit rasender Schnelligkeit und legt in kurzer Zeit zwei Wohnhäuser und vier große, mit Frucht und Futter gefüllte, Scheunen in Asche. Alles war unterversichert – die Entschädigung betrug nur 8421 Mark.

1890

Kaum hatten sich die Bürger von dem Schrecken erholt, da brach ein neuer Brand in dem Wohnhaus des Steinhauers Anton Porz aus. Dieses und ein Nachbargebäude wurden vom Feuer zerstört. Da die letzten drei Brände alle in der Enggasse ausbrachen, vermutete man Brandstiftung.

1932

In der Nacht vom 6. zum 7. April brannte der Laden des Schmiedemeisters Grones (Entenpfuhl) samt Inhalt aus.

1935

Am Samstag, 12. Oktober, brannte das Sägewerk Wilms bis auf einen Holzschuppen und das Bürohaus nieder. Die Dampfmaschine und einige Gatter schienen noch brauchbar. 30 Arbeiter wurden vorübergehend arbeitslos.

Juden in Kempenich

Von Jochen Seifert

1

Die ersten belegbaren Aussagen zu Juden in Kempenich gab es ab 1751. Damals standen sie unter dem Schutz des Grafen von Eltz als sogenannte „hochgräfliche Schutzjuden“. In welcher Beziehung diese jüdischen Bürger zu den nach 1800 namentlich bekannten Familien stehen, ist noch nicht bekannt.

2

1777 werden im Zusammenhang mit den „Schutzjuden“ erwähnt: die Juden Hirtz, dessen Schwiegersohn Leib sowie die Juden Wolff, Salomon und Daniel. 1778 sowie 1781 kamen noch die Juden Mayer, Simon und Salomon Löb dazu. 1808 lebten in Kempenich 12 Juden. 1817 gab es 16 Juden. In diesem Zeitraum gab es im ganzen Kreis Adenau nur diese 16 Juden. 1830 dann 21, 1858 fünf, 1895 acht und 1925 vier Juden.

3

Um 1800 gab es eine jüdische Familie Wolf in Kempenich. 1807 ist Oster Wolf in Kempenich gestorben, seine Witwe Dina lebte hier noch um 1810. Nachkommen in Kempenich sind nicht bekannt.

4

Der bekannteste Jude in Kempenich war sicherlich Salomon Kempenich, 1824 in Spessart geboren. Er war verheiratet mit Rosetta Lampert aus Glees und von Beruf Metzger. 1847 hatte er seine Metzgerei im späteren Haus von Otto Schmitt in der Großstraße, 1860 bis mindestens 1894 dann in der Großstraße (heute VOBA), dort hatte später Alex Groß eine Metzgerei. Sein Hobby war die Musik. Er war öfters mit dem „Postbältes“ Balthasar Schmitz I (1820) unterwegs. Sein Sohn Joseph Kempenich (1864) war ebenfalls Metzger und führte die Metzgerei in der Großstraße bei Otto Schmitt bis 1934. Er war verheiratet mit Henrietta (auch Jetta/Yeta genannt) Baer und starb 1942 im Vernichtungslager in Treblinka (Polen). Ihre beiden Töchter Rosetta (1896) und Frieda (1898) wanderten 1938 mit ihren Familien nach Milwaukee aus.

5

1825 wohnte Salomon Rosenthal (1770), ein Handelsmann, verheiratet mit Sarah Kempenich (1770), am Markt im späteren „Schäwesch-Haus“. Seine Frau war vermutlich ein Vorfahre der Kempenich-Familie. Er hat, wahrscheinlich aus Altersgründen, 1847 seinen ganzen Besitz verkauft.

6

1825 bis ca. 1860 hatte Joseph Feit (Veith) (* 1794) die Metzgerei in der Großstraße, die dann Salomon Kempenich übernahm. Joseph Feit verläßt dann Kempenich in Richtung Siegburg zu seinen Angehörigen.

7

Leiser Lazarus, verheiratet mit Feigel (Fanny/Vogel) Winter (1821), wohnte 1856 in einem Haus im Oberdorf, auf dem heute unbebauten Grundstück vor dem früheren Amtsgebäude. 1825 wohnte dort der Vater von Feigel, Leib Winter, der vielleicht aus Oberzissen stammte. Die Tochter von Leiser und Feigel, Lia (1863), heiratete Adolf Eggener aus Glees (1877). Sie wohnten dann 1928 gegenüber vom Amt in der späteren Amtskasse. Er handelte mit Kurzwaren wie Knöpfen und auch mit Vögeln. Vielleicht wurde er deshalb „Vüjels Adi“ genannt. Der Name kommt aber wahrscheinlich von dem Vornamen seiner Schwiegermutter. Feigel-Vogel-Vögel war ein nicht seltener jüdischer Vorname. Vögel Winter ist sehr alt geworden (* 1821, + 1909), hat ihren Mann sicher um viele Jahre überlebt und stammte zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit auch aus Kempenich. Der Name solcher alten Leute ist oft zum Hausnamen geworden. Der Sohn von Adolf, Levi, 1907 in Kempenich geboren und verheiratet mit Elsa Bender aus Münstermaifeld, zog mit der Familie nach Appleton in Wisconsin. Adolf Eggener hat wohl am Schluss im Entenpfuhl im Haus von Sompe (heute Adams) gewohnt. Er starb 1941. Damit waren die letzten Juden weg.

Faktencheck zum Lager Rebstock

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Dieter Burgard moderiert die Veranstaltung in Ahrweiler. Foto: Martin Kraft/Wikimedia Commons

Anfang November ist die Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Lagers „Rebstock“ in Marienthal eröffnet worden. Nur wenige Tage später haben Heimatforscher aus der Region in Leserbriefen Zahlen und Fakten in Frage gestellt, die auf Infotafeln an der Gedenkstätte genannt werden. Der Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn aus Bad Breisig, Initiator der Gedenkstätte, meint, damit werde nicht nur der Bürgerverein Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler als Träger der Gedenkstätte in ein schlechtes Licht gerückt, sondern auch die beteiligten Kommunen, der Kreis Ahrweiler und die Sponsoren. Bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Auf dem Prüfstand: Lager Rebstock – Zahlen und Fakten“ am Donnerstag, 11. Januar 2018, ab 18 Uhr in der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler sollen deshalb die in Zweifel gezogenen Daten einem Faktencheck unterzogen werden. Kritiker der auf den Tafeln an der Gedenkstätte veröffentlichen Zahlen bekommen dort die Gelegenheit, ihre Zahlen und Fakten mit Primärquellen zu belegen. Dieter Burgard, Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, moderiert die Veranstaltung.

Das AW-Wiki ist Thema beim nächsten Bonner Webmontag

webmontag„Das AW-Wiki – eine Mitmach-Enzyklopädie für den Landkreis Ahrweiler“ – um dieses Thema geht es beim nächsten „Webmontag“ am Montag, 19. September, ab 19 Uhr im Waschsalon Innovation Point an der Kaiserstraße 1b in der Nähe des Bonner Hofgartens. Den Beginn einer etwa 40-minütigen Präsentation bildet ein Überblick über die Stadt- und Regionalwikis, bevor es um Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung des AW-Wikis geht.

Mit inzwischen etwa 20.000 Artikeln und 10.000 Fotos zu Land und Leuten an Ahr, Brohl- und Vinxtbach hat sich das AW-Wiki, das im kommenden Jahr zehn Jahre alt wird, zu einer der größten Websites seiner Art im deutschsprachigen Raum entwickelt. Zum Schluss gibt es Tipps für den Aufbau von Stadt- und Regionalwikis. Anton Simons, Gründer des AW-Wikis, referiert. Anschließend ist Zeit für Fragen und Diskussion. Der Bonner Webmontag ist ein informelles Zusammentreffen webaffiner Menschen, die bei einem Kaffee oder Bier Kontakte knüpfen und sich über aktuelle Entwicklungen im Web austauschen möchten. Alle Interessierten sind willkommen; der Eintritt ist frei.